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Zwei Jahre Tablet-Klasse

Zwei aufregende und anstrengende Jahre Testphase Tablet-Klasse sind nun vorüber und es wird Zeit Resümee zu ziehen.

Fazit: Es lohnt sich!

Wo soll es hingehen und wie sieht der Weg dorthin aus? Dies sind Fragen, die mich in den letzten zwei Jahren während der Entwicklung des Konzeptes für unsere Schule begleitet haben.

„Neue bzw. digitale Medien“ sind Schlagwörter, die gerne und häufig verwendet werden. Doch was bedeuten sie eigentlich genau?

Das Arbeiten mit digitalen Medien im Unterricht setzt Medienkompetenz voraus und gleichzeitig erweitert es diese. Sie ist eine Kompetenz, die wie Lesen und Schreiben erlernt werden muss. Eine PowerPoint Präsentation zu erstellen oder PC, Laptop oder Smartphone technisch richtig zu bedienen bedeutet nicht, dass Medienkompetenz vorhanden ist. Der Begriff Medienkompetenz muss viel weiter gefasst werden.

Medienkompetenz bedeutet u.a. auch den Informationsfluss des Internets filtern zu können, um relevante Informationen herauszuziehen. Unter Einbeziehung des Web 2.0 ist der Erwerb von Medienkompetenz ein unausweichlicher Aspekt der Medienerziehung. Ein selbstreflektierter, kritischer Umgang mit dem Medium Web 2.0 ist Voraussetzung und muss zuallererst durch den Erwerb von Medienkompetenz erlernt werden.

Diese Kompetenz haben die Schüler meiner 7. Klasse mittlerweile erworben. Ein kritischer Umgang mit Informationen und deren Beschaffung bzw. Verwendung für eigene Texte/Präsentationen ist für jeden selbstverständlich und gehört zum alltäglichen Arbeiten im Unterricht dazu. Dennoch oder sogar gerade deswegen wird diese Kompetenz immer wieder neu überprüft und erweitert.

Doch nicht nur die Schulung und der Erwerb von Medienkompetenz waren in den letzten zwei Jahren ein Thema.

Wie sollen die Geräte konfiguriert sein, was sollen die Schüler dürfen und was nicht?

Ich habe mich zu Beginn des Projektes an strenge Konfigurationen gehalten. Die Geräte wurden mit dem Hersteller-Konfigurator konfiguriert (was bei einer Menge von bis zu 30 Geräten gut geht). Verschiedene APPs wurden auf die Geräte geladen, die Freigabe von Cloud und APP-Store allerdings unterbunden, da es schuleigene Geräte sind. Auch die Anmeldung mit einer eigenen ID war nicht möglich.

Dies bringt Vorteile, gleichzeitig aber auch Nachteile. Die Vorteile sind die größeren Nutzer-Einschränkungen für die Schüler in ihren Rechten. Es kann nichts auf die Geräte geladen werden, was nicht auf die Geräte soll. Gleichzeitig ist dies auch ein Nachteil, denn Schüler testen selber gerne aus und suchen nach APPs, die für den Unterricht sinnvoll sind.

Für mehr als 30 Geräte macht ein MDM-System (mobile device management) Sinn.
Der Unterricht mit den Tablets hat sich in der Struktur gewandelt. Es ist ein sehr individuelles und selbstständiges Arbeiten, Lernen und Austauschen. Ich arbeite häufig mit der Lernplattform MEIN-KLASSENZIMMER.DE (die ich mit einem Kollegen entwickelt habe). Dort können Schüler auf ihrem Niveau Aufgaben bearbeiten und bekommen von mir direkte Rückmeldungen zu ihren Antworten.
Lernvideos erstellen und eigene Wiki-Einträge schreiben gehören zu einer normalen Unterrichtsstunde dazu. Schüler kommen schneller zu größeren Lernerfolgen und arbeiten motivierter im Unterricht mit als zuvor.

Gerade in Anbetracht der Inklusion bietet der Unterricht mit digitalen Medien einen großen Vorteil. Eine sehr heterogene Schülergruppe kann gut gemeinsam unterrichtet werden, da die differenzierten und individualisierten Unterrichtsangebote, die über das Tablet verfügbar sind, den vielfältigen Bedürfnissen und Kompetenzen der Lernenden gerecht werden.

Das Pilotprojekt ist ein großer Erfolg und wird weiter ausgebaut. Mittlerweile existieren an der Schule vier Tablet-Klassen und es werden in den nächsten Jahren weitere hinzukommen.

Ich empfehle jedem ein solches Projekt zu starten, der Lust hat sich mit digitalen Medien im Unterricht auseinanderzusetzen. Dabei sollte man allerdings nicht vergessen, dass dies (zu Beginn) eine deutliche Mehrarbeit ist – die sich aber auf jeden Fall lohnt!